9. Wirtschaftsapéro für Unternehmen mit Durchblick

Bereits zum neunten Mal lockte der mittlerweile traditionelle Wirtschaftsapéro der Agenda 21 SO und des Vereins Region Thal/Naturpark Thal am 2. Februar 2018 Unternehmerinnen und Unternehmer nach Balsthal in die Eventhalle der Jomos AG. Die Rekordbeteiligung vom vergangenen Jahr wurde mit über 330 Gästen nochmals übertroffen. Schliesslich ging es mit dem Fachkräftemangel auch um ein brennendes Thema.

Der Wirtschaftsapéro der Agenda 21 SO und des Vereins Region Thal/Naturpark Thal – unterstützt vom Industrie- und Handelsverein Thal-Gäu-Bipperamt sowie der Solothurner Wirtschaftsförderung – ist mittlerweile ein fixer Bestandteil in der Agenda vieler Unternehmerinnen und Unternehmer. Hochkarätige Redner und die perfekte Gelegenheit, das eigene Netzwerk zu pflegen, sind das Erfolgsrezept des Anlasses.

Fachkräftemangel im Kanton Solothurn
Ob ein Unternehmen gedeiht, rasch auf Herausforderungen reagieren und innovativ sein kann, hängt massgeblich von seinen Mitarbeitenden ab. Geeignete Fachkräfte lassen sich aber nicht immer so leicht finden. Der Kanton Solothurn ist laut einer Studie vom Fachkräftemangel überdurchschnittlich betroffen. Über die Hälfte der Unternehmen, die Stellen ausschreiben, könne diese nicht, oder nicht wie gewünscht besetzen. Die Gründe sind vielfältig. Der Bedarf an Arbeitskräften mit spezifischen Kenntnissen nimmt immer mehr zu. Was sind also die zukünftigen Anforderungen an unser Bildungssystem? Auch der Einfluss des demografischen Wandels darf nicht unterschätzt werden.

Bruno Born, Präsident Verein Region Thal/Naturpark Thal, sprach in seiner Begrüssungsrede davon, was der Naturpark gegen den Fachkräftemangel tut: „Wir können möglichst gute Bedingungen neben der Arbeit schaffen, beispielsweise in den Bereichen Mobilität oder Freizeit“. Pierino Menna, Gemeindepräsident von Balsthal betonte in seiner Rede, dass man beim Fachkräftemangel schon in der Schule ansetzen müsse: „Welche Lerninhalte sind besonders wichtig und wie sollen sie vermittelt werden?“.

Brigit Wyss, Vorsteherin des Volkswirtschaftsdepartements, überbrachte Grüsse der Regierung. „Die Alterung der Erwerbsbevölkerung und die stärkere Regulierung der Zuwanderung akzentuieren den Mangel an Fachkräften. Wir müssen unser inländisches Potential besser nutzen“, sagte die Regierungsrätin. Dazu brauche es Arbeitsmarkt- und Bildungsmassnahmen.

Attraktiv sein für qualifizierte Arbeitnehmende
Daniel C. Schmid, Leiter Academy, Career & Talent Services der Hochschule für Wirtschaft Zürich, sprach über die Führung im Zeitalter der Industrie 4.0. „Wir sind in einer komplett digitalisierten Umgebung“. Daher sollte es für Unternehmen auch Pflicht sein, dort den Anschluss nicht zu verlieren – egal ob im Bereich Kunden- oder Mitarbeitergewinnung. Laut einer Umfrage, die er zeigte, denken die Mehrheit der befragten KMU aber nicht einmal daran, eine Strategie im Bereich Digitalisierung aufzugleisen. Bei der Führung seien analoge Werte wie eine gute Teamkultur sehr wichtig. Und auch bei der Bildung müsse man auf Werte setzen, die digital nicht kopierbar seien, also wo Maschinen nicht besser seien, als der Mensch.

Die Firma Biogen baut in Luterbach SO einen neuen Produktionsstandort für biopharmazeutische Medikamente und will bis 2019 rund 600 neue Stellen schaffen. Der Standortleiter Michael Pohlscheidt sprach von den Herausforderungen, die so eine Rekrutierung mit sich bringt. Die Firma beschäftigt momentan weltweit 7000 Mitarbeitende. „Wenn klinische Studien erfolgreich sind, müssen wir jeweils rapide Personal aufbauen“, so Pohlscheidt. Zurzeit stellt Biogen monatlich 15 bis 20 Personen ein. Um die Fachkräfte anzulocken, gibt es verschiedene Anreize. Das Unternehmen investiere signifikant in die Ausbildung der Mitarbeitenden, finanziere beispielsweise Sprachkurse. Beim sogenannten on-boarding bekommt man bei Stellenantritt eine umfassende Schulung. Bei Biogen seien nicht nur Fachkräfte erwünscht, die sich durch einen Titel auszeichnen. Auch zum Biogen-Standort in Dänemark schickt das Unternehmen seine neuen Mitarbeitenden ab und an – „so haben sie Einblick in einen bereits funktionierenden Produktionsstandort“. Es gebe zudem Pläne, Mitarbeitende der Galderma Spirig AG in Egerkingen zu übernehmen, die ihre Produktion bis Ende Jahr einstellen wird.

Eine Thaler Firma behauptet sich im Weltmarkt
Benno und Christoph Schmid von der ChemValve-Schmid AG in Welschenrohr konnten seit der Gründung ihres Unternehmens 1993 viel Erfahrung im Bereich Personalrekrutierung und Führung sammeln. Benno Schmid, der im letzten Jahr das Amt des Geschäftsführers an seinen Bruder Christoph übergeben hatte und jetzt als VR-Präsident amtet, erörterte, wie sich die Firma seit Jahrzehnten im weltweiten Armaturenmarkt behaupten kann. Wichtig sei vor allem, dass man Mitarbeitende, Kunden und Lieferanten als Partner sehe und ihnen auf Augenhöhe begegne. „Nicht zuletzt wegen unserer Mitarbeitenden haben wir gute Zukunftsperspektiven“, so Christoph Schmid. Dank dem dualen Bildungssystems der Schweiz, gebe es die Firma noch. Dass in der ChemValve Mitarbeitende mit zum Teil über 30 Jahre Erfahrung in der Armaturenindustrie arbeiten, sei toll, kann aber bei altersbedingten Abgängen zum Problem werden. Deshalb ist die Firma sehr engagiert bei der Lehrlingsausbildung. „Wir waren eines der ersten Unternehmen, das am Berufslernverbund Thal-Mittelland angeschlossen war und wirken zudem an der Lehrstellenbörse mit“, erklärte Benno Schmid. In der ChemValve sind 53 Prozent der Angestellten in Welschenrohr wohnhaft, 20 Prozent im Thal. So läuft denn auch ein Teil der Rekrutierung von neuen Mitarbeitenden über Mund-zu-Mund-Propaganda, Kollegen oder Dorfvereine. Auch für Teilzeitpensen und ältere Mitarbeitende sei die ChemValve offen. Benno Schmid betonte, dass für ihn vor allem das Netzwerk Thal wichtig sei. Mit dem Naturpark Thal habe man eigentlich eine super Plattform, die aber noch zu wenig genutzt werde. Und auch von den Gemeinden im Thal wünsche er sich eine bessere Zusammenarbeit.

Während der Ausbildung nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern Stärken zu fördern und Raum zur Entfaltung zu geben, könnte ein Rezept gegen den Fachkräftemangel sein, wie die Referenten in der anschliessenden Podiumsdiskussion mit Kantonsrätin und Kommunkationsexpertin Anita Panzer herauskristallisierten. Wichtig sei auch ein gutes Netzwerk, nur so könne man stark sein und geeignete Arbeitskräfte finden. Die Möglichkeit, das eigene Netzwerk zu stärken, haben die Anwesenden beim anschliessenden Apéro riche mit Produkten aus dem Naturpark Thal rege genutzt.